Argo Ventures Unternehmensüberblick – Ein Interview mit Stefan Beiten

„Nur bei Sonnenschein segeln, ist keine große Herausforderung“

 Mit der Argopreneurs GmbH strukturiert Unternehmer, Gründer und Investor Stefan Beiten seine unternehmerischen Aktivitäten neu. Im Gespräch erklärt er, was sich hinter der neuen Plattform verbirgt und warum der Serial Entrepreneur auf frischen Wind im Unternehmen setzt.

Herr Beiten, Sie sind Anwalt, Unternehmer, Investor und Gründer. Haben Sie deshalb Argo Ventures gegründet, um eine Plattform für ihre unternehmerischen Aktivitäten zu haben?

Argo besteht nunmehr seit 20 Jahren – exakt die Zeit, in der ich als Unternehmer und Investor bereits aktiv bin. Als private Firma gestartet, hat sich das Unternehmen über die Jahre als Argo Ventures entwickelt. Neue Bereiche sind hinzugekommen, andere wurden ausgebaut. Wenn Sie so wollen, ist auch das Unternehmen mit meinen Erfahrungen als Unternehmer über die Jahre gereift. Argo Ventures wurde also nicht als Plattform für meine unternehmerischen Aktivitäten gegründet, es ist über die Jahre zu dieser Plattform geworden. Neu sind heute nur die Struktur, in der wir seit Jahresbeginn alle Aktivitäten gebündelt haben, und der Fokus auf bestimmte Geschäftsbereiche, deren Bedeutung wir mit eigenen Gesellschaften ab sofort unterstreichen.

Können Sie die neue Struktur und den angesprochenen Fokus näher erläutern?

Die neugegründete Argopreneurs besteht aus der Argo Capital Solutions, Argo Labs, und Argo Brainworks. Neu daran ist, dass wir für diese drei Bereiche selbständige Unternehmen gegründet haben, um deren Bedeutung innerhalb der Gruppe hervorzuheben. Argo Labs ist unser Vehikel, um als Angel Investor und Company Builder aktiv zu werden. Wichtig ist uns hierbei vor allem, als Partner an Bord zu kommen und die Unternehmen ab der frühen Phase aktiv zu begleiten. Unsere eigenen unternehmerischen Erfahrungen sind hier natürlich eines unserer gewichtigsten Assets. Argo Brainworks steht für die Beratung von Unternehmern für Unternehmer. Wir sehen das Dienstleistungsspektrum als eine Synthese aus den „Best Practices“ unserer unternehmerischen Erfahrungen und modernen Innovationssystemen, -strukturen und -prozessen. Argo Brainworks greift immer dann, wenn wir als Berater oder Coach helfen können. Auch hier ist uns ein partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe mit den Unternehmern sehr wichtig ist. Wir wollen Prozesse auch auf der Advisory-Ebene aktiv begleiten und dafür braucht es eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und dann ist da noch unser Kapitalmarkt-Vehikel Argo Capital Solutions, über das wir sämtliche strukturierten Finanzierungen und Kapitalmarkt-Transaktionen steuern.

 Sie sprechen in der Wir-Form, weil Sie für die Bereiche Argo Labs und Argo Brainworks auch zwei junge Partner mit an Bord haben?

Das ist richtig. Sascha Grumbach und Stefan Söllner leisten als Geschäftsführer der Argo Labs und der Argo Brainworks einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Argopreneurs. Beide haben bereits während ihres Studiums erste Erfahrungen in der Unternehmensberatung und als Gründer sammeln dürfen, so dass sie schon in jungen Jahren auf einen großen Wissensschatz zurückgreifen können. Ich glaube auch, die Kombination aus meiner Top-Down-Sicht, die ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Unternehmer habe, und des Bottom-Up-Ansatzes von Sascha Grumbach und Stefan Söllner ist das, was Argo Ventures so erfolgreich macht. Denn wer in der heutige disruptiven Welt nicht nur bestehen, sondern aktiv die Zukunft gestalten will, braucht Erfahrung und muss bereit sein, sich immer wieder neu zu erfinden – und ab und an eben auch mal Dinge grundlegend in Frage zu stellen. Und da hilft, wie ich dankend feststellen durfte, eine junge, innovative Sicht auf die Realität manchmal sehr.

 Erfolg ist ein gutes Stichwort: Sie hatten in den 20 Jahren als Investor und Unternehmer auch Misserfolge. Gibt es Entscheidungen und Schritte, die Sie heute anders machen würden?

Hinterher ist man immer schlauer und manche Fehler kann man erst sehen, wenn man sie einmal gemacht hat. Wer als Investor und Unternehmer aktiv ist, geht stets ein Risiko ein und es ist ganz normal, dass sich Ideen, Projekte oder Unternehmen nicht immer so entwickeln, wie geplant oder erhofft. Dies um so mehr, wenn ganze Märkte plötzlich kippen wie es in 2008 weltweit der Fall war. Für mich ist jedoch viel wichtiger, wie man mit diesen vermeintlichen Misserfolgen umgeht. Manchmal ist schlicht das Timing schlecht. 2001 ist beispielsweise ein Fonds, mit dem wir Projekte für Medienaktivitäten der Dresdner Bank und Greenlight Media strukturiert haben, aufgrund der Dotcom-Blase ins Schlingern geraten. Greenlight Media ist ein Beispiel für unsere Beteiligung als Company Builder und ein Unternehmen, das unter anderem mit Planet Earth neben BBC und Disney zwei der erfolgreichsten Naturdokumentarfilme mitproduziert hat. So wurde der Fonds mit Gewinn an die Dresdner Bank verkauft und  wir haben in eigener Regie weitergemacht. Bereits zwei Jahre später haben mit unseren global führenden Partnern über viele Jahre hinweg Welterfolge mit rund US$150Mio an der Kinokasse erzielt und in der TV Animation über 200 Episoden produziert und weltweit vertrieben. Letztendlich ist es uns mit Greenlight Media gelungen, für die BBC das völlig neue Geschäftsfeld Naturdokumentationen im Kino zu erschließen und wir haben mit Planet Earth Box-Office-Rekorde einfahren können. 2005 und 2008 haben wir mit unseren Produktionen jeweils mehr als 50% der Exporterlöse aller deutschen Filmporudktionen eingefahren. Trotz anfänglicher Herausforderungen kann hier von Misserfolg also keine Rede sein – vielmehr geht es um besondere Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

 Würden Sie dann die BAC, wo Sie ebenfalls als Company Builder aktiv waren, als einen dieser Herausforderungen bezeichnen?

Durchaus: Denn aus heutiger Sicht ist die BAC ein unternehmerischer Erfolg, weil es uns gelungen ist, trotz immenser Widrigkeiten nach der Finanzkrise 2008 das Unternehmen letztendlich sauber abzuwickeln und die Assets neu zu strukturieren. Während die Partnerbank Wachovia als viertgrößte Bank der USA von Wells Fargo aufgefangen werden musste, konnten wir die Krise aus eigener Kraft bewältigen. Das hat mir persönlich einen großen Einsatz abgefordert. Ich war dafür sogar einige Jahre mit meiner Familie in den USA und musste neben der Restrukturierung gleichzeitig mehrere feindliche Übernahmeversuche abwehren. Aber dieses Engagement hat sich gelohnt. 2015 konnten unsere institutionellen Investoren in den USA über einen Börsengang unseres Tochterunternehmen CIG rund US$ 90 Millionen Profit erreichen, im letzten Jahr konnten wir für die Infratrust-Investoren in Deutschland dazu einen Gewinn von 135 Prozent mit fast US$ 30 Millionen an Rückflüssen erzielen. Das sind Ergebisse, die einige Jahre zuvor vermutlich niemand für möglich gehalten hätte. Und genau das macht aus meiner Sicht einen erfolgreichen Unternehmer und Investor aus. Nur bei Sonnenschein zu segeln, ist keine große Herausforderung.  

 Solche Herausforderungen machen also stark?

Sie gehören schlicht dazu. Man sollte sie deshalb auch nicht zu hoch aufhängen. Wichtig ist das Stehvermögen und was man aus Fehlern für die Zukunft lernen kann. Das macht einen letztendlich stärker. Zudem haben wir alleine im Bereich der strukturierten Finanzierungen über die letzten 15 Jahre Dealvolumina in Millardengröße abgewickelt – darunter waren kleine Private Placements bis zum Börsengang in den USA ein ganzes Portfolio verschiedenster internationaler Finanzdienstleistungen. Leistungen, die wir jetzt in der Argo Capital Solutions gebündelt haben. Ich glaube auch, unsere Lernerfahrungen sind ein wichtiger Faktor, der heute zum Erfolg von Argo Labs und Argo Brainworks beiträgt.

Im Ergebnis zählt doch eins: Wer Unternehmern als Partner zur Seite steht – sei es nun beratend oder als aktiver Investor – ist glaubwürdiger und besser, wenn er weiß, wovon er spricht. Denn reine Berater sind im Gegensatz zu Unternehmen nicht für das Ergebnis ihrer Beratung am Markt verantwortlich – wir wissen aber, was unternehmerische Verantwortung und Ergebnissfokussierung bedeutet.

 Das heißt aber auch, man weiß bei Gründung oder Einstieg als Investor nicht unbedingt, wo die Reise letztendlich hingeht?

 Natürlich haben Sie eine Vision, wenn Sie ein Unternehmen gründen oder glauben an die Idee des Unternehmers, dem Sie als Investor oder Company Builder zur Seite stehen. Wie gradlinig die Umsetzung der Vision oder Idee ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Hierfür gibt es in der Argo-Historie zahlreiche Beispiele. Manchmal ist ein Übernahmeangebot sehr attraktiv, so dass man sich als Investor für einen frühen Exit entscheidet, siehe die Beteiligung an Gate 5. 2006 wurde das Unternehmen für rund €150Mio an Nokia verkauft, damals einer der ersten großen Exits eines Berliner Start Ups, und ist heute unter dem Namen HERE nicht nur ein milliardenschweres Unternehmen, sondern auch einer der Hauptakteure bei der Zukunftsgestaltung des autonomen Fahrens für die deutsche Autoindustrie. Manchmal zeigt sich während der Umsetzung aber eben auch, dass Hürden oder die Konkurrenz zu groß sind und man den Stecker ziehen muss. Auch das haben wir in den Jahren bei Argo schon erlebt, wie zB bei Txtr.

 Haben Sie eine klare Zukunftsvision für Argo Ventures?

Die neue Struktur und der Fokus auf die drei Geschäftsbereiche sind natürlich strategischer Natur. Wir haben in allen drei Bereichen viele spannende Projekte in der Pipeline – und zwar in ganz unterschiedlichen Branchen. In den vergangenen 20 Jahren haben wir ein starkes Ökosystem für Gründer und Unternehmen aufgebaut und das gilt es jetzt weiter auszubauen. Dafür haben wir eine klare Vision, und wissen gerade aus unserer Erfahrung aller Höhen und Tiefen auch genau, welche Instrumente eingesetzt werden müssen, dass Unternehmer und ihre Ideen von Anfang an mit den solidesten Prozessen und richtigen Partnern versorgt werden. Damit  können dann auch externe Ereignisse wie beispielsweise die Finanzkrise 2008 überstanden werden.

 Zudem: Aufgrund der steigenden Dynamik disruptiver Innovationen wird die Halbwertzeit vieler Produkte und Ideen immer kürzer werden. Umso wichtiger ist es, am Puls der Zeit zu bleiben, Trends zu erkennen und sich klar als das führende Ökosystem für innovative Unternehmer zu positionieren. Das ist unser Ziel für Argopreneurs.

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